Folgenden Text haben wir in der 9b gelesen, besprochen und unsere Gedanken dazu in Bildern dargestellt.
 
Karl - Heinz der Skinhead
von Jasmin Koch, 12 Jahre, entnommen dem Buch: 
herausgegeben von der Landeszentrale für politische 
Bildung Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit dem 
Südwestfunk (SWF 4), Mainz 1993/94 
Ein Bild von 
 
Karl-Heinz wacht auf. Er schaut auf die Uhr. "Oh, Gott. Erst halb elf,
und das gleich Theater wie jeden Morgen".
"Karl - Heinz, steh' doch
endlich auf. Du wolltest doch noch zum Arbeitsamt", ruft seine
Mutter.
"Och, nee. Jetzt nervt die Alte schon wieder!" denkt er und zieht sich das
Kissen über den abrasierten Kopf. "Wenn ich an gestern Abend denke!
Das war doch sau - geil".
Die Tür wird aufgerissen.
"Bekomme ich mal deine neue CD? Wenn nicht, erzähle ich Papa, dass du
gestern Nacht erst um 4 Uhr nach Hause gekommen bist!" nervt ihn sein Bruder Peter.
"Zieh' Leine, du kleiner Pisser! Sonst hau ich dir eine aufs Maul", schreit er und wirft ihm eine weißgeschnürten Doc hinterher.
"Lass deinen kleinen Bruder in Ruhe, und steh endlich auf", nervt die Mutter ihn
und geht die Treppe hinunter in die Küche.
"Scheiß Familie!" flucht Karl-Heinz und steht auf.
"Wofür denn auf´s Arbeitsamt gehen? Die geben mir doch sowieso keine Arbeit. Immer dasselbe. Ich hätte keinen richtigen Schulabschluss!" sagt er zu sich selbst. Fluchend zieht er sich an. "Die geben doch lieber ´nem dreckigen Türken ´ne Arbeit als mir." Laut polternd geht er die Treppen hinunter. Karl- Heinz läuft zur Mutter. "Gib`mir mal 20 Mark ."
"Was? Du hast doch gestern 10 Mark bekommen", sagt seine Mutter.
"Aber ich brauche doch Geld für die Straßenbahn u.s.w ..."
" Was heißt denn Straßenbahn, und so weiter?" Fragt seine Mutter ihn.
"Ich treffe mich doch auch mal mit Freunden!" antwortet Karl-Heinz .
"Tja ,hättes Du Arbeit..."
Er unterbricht seine Mutter: "Was kann ich denn dafür, wenn die Schweine mir keine Arbeit geben!"
"Na gut, ausnahmsweise, hier 20 Mark."
Plötzlich kommt sein kleiner Bruder.
"Ach ja, ich bekomme nie Geld !"
"Hab` ich dir nicht gesagt, du sollst dein Maul halten?"schreit Karl- Heinz ihn an.
"Ihr könnt mich alle mal", ruft er und knallt die Tür hinter sich zu.
Auf der Straße sagt er zu sich: "Von wegen Arbeitsamt. Ich geh' jetzt zum Bahnhof, mich mit meinen Freunden treffen." Und macht sich auf den Weg. Vor dem Bahnhof sah er vier seiner Freunde: Chris, Richi, Robby und Tobi. " Äh, Kalle, da bist'e ja!" Karl-Heinz, genannt Kalle, sagt: "Komm, hör bloß auf, Du. Bis man daheim mal'n paar Kröten bekommt, muss man der Alten in'n Arsch rein kriechen."
 
Robby sagt: "Ach, da bist du nicht der einzigste. Meine Alte will mir gar kein Geld mehr geben. Aber die bekomm' ich schon wieder rum!"
"Ja, bei mir auch", sagen Chris und Richi. Allgemeines Gebrummel kommt auf.
"So, gehen wir mal zu den anderen", sagt Robby. Dann gehen sie in die Bahnhofskneipe.
Da stehen auch schon Keule, der Cliquen- Boss, und die anderen fünf Mitglieder.
"Na Keule, was geht'n heut' ab?" fragt Kalle." Na ja, mal gucken, aber der Kümmel-Türke kotzt mich schon die ganze Zeit über an", sagte Keule und deutet auf einen Ausländer, der an der Theke steht. "Aber erst mal 'ne Runde Bier."
Nach einigen Runden Bier wird die Clique aggressiver. Sie fangen an auch die anderen Gäste zu beschimpfen und zu beleidigen. Dem Wirt wird es langsam zu bunt, und er sagt: "Wenn ihr euch nicht benehmen könnt, fliegt ihr raus!"
"Äh, Alter, bleib cool", meint Kalle, "das sind doch alle Assis, die es sich auf unsere Kosten in Deutschland gut gehen lassen!"
"Ja, genau!"
"Sie nehmen uns die Arbeit weg !", meinen einige der Clique.
"Jetzt ist es aber genug! Raus hier, oder ich hole die Bahnhofspolizei!"
"Komm, wir hauen ab! Das ist uns genug", meint Keule und geht hinaus. Die anderen folgen ihm.
"Das gibt es ja nicht, so'n Assi-Freund!", sagt Keule.
Mittlerweile ist es dunkel geworden. Mit Zerstörungswut gehen sie durch die Straßen.
"Guckt mal, was ich hier habe!", ruft Tobi und zieht eine Farbspraydose aus der Tasche.
"Geil", sagt Keule und reißt ihm die Dose aus der Hand. Er schreibt an eine Wand "Assis raus!"
"Äh, endlich mal was Gutes!", rufen die anderen voller Begeisterung.
Sie ziehen weiter durch die Stadt. Chris wirft eine Mülltone um. Andere stechen mit Messern Autoreifen kaputt und knicken Autoantennen um.
"Das Feeling ist das ja nicht gerade. Eine gewisse Würze fehlt noch", sagt Keule. "Jetzt gehen wir zum Assi-Wohnheim. Wir werden uns noch amüsieren."
Die Cliquen-Mitglieder stimmen ohne Widerspruch zu. Sie gehen in Richtung Asylanten-Wohnheim.
"Sieh mal da, zwei Nigger!", ruft Keule. Die Schweine schnappen wir uns!"
Die Clique umzingelt die zwei Farbigen. Man sieht ihnen die Angst an. Sie zittern.
"Was sein? Wir nicht haben etwas getan!", sagen sie ängstlich.
"Hört sie euch an. Sie haben nichts getan!", sagt Chris wütend. "Ha, sie nehmen uns die Arbeit weg, diese Assis!, ruft Kalle.
Sie schubsen die Ausländer im Kreis herum.
"Sie lassen es sich auf unsere Kosten in Deutschland gut gehen", ruft einer. Sie hetzen sich gegenseitig auf. Plötzlich holt Kalle aus und schlägt einen der beiden nieder.
"Das war gut!", ruft Keule und tritt dem anderen an die Beine. Dieser fällt hin.
Beide Ausländer stehen auf. Einer blutet. Keule boxt ihm in den Bauch. Toby und Richi bespucken den anderen. Jetzt fangen alle an auf die Farbigen einzutreten.
"Tret' ihn in die Eier!", ruft einer. Sofort tritt Kalle einem in den Unterleib. Beide liegen auf dem Boden und krümmen sich vor Schmerzen. Sie bluten aus Mund und Nase.
"Ihr bitte lassen uns in Ruhe. Bitte!", winseln sie um Gnade.
"Seht mal, sie winseln um Gnade!", ruft  Keule und tritt einem der beiden ins Gesicht.
Die Scheinwerfer eines Autos nähern sich.
"Scheiße, da kommt jemand!", ruft ein Cliquen-Mitglied.
"Komm, wir hauen lieber ab!", ruft Kalle. Schnell verschwinden sie in den gegenüberliegenden Park. Nach einigen hundert Metern sind sie außer Atem.
"Puh, das war ganz schön knapp!", sagt Chris.
"Da haben die beiden Bimbos ganz schön Glück gehabt", meint Robby.
"Besser wir trennen uns jetzt! Also bis morgen am alten Platz", sagt Keule. Dann geht jeder seinen Weg nach Hause.
Karl-Heinz wacht auf. Er schaut auf die Uhr. "Mann, das war gestern eine geile Nacht!" ...